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In ihrer »Literarischen Welt« hat »Die Welt« vom 17. März 10 Fotografien und das Buch von Albrecht Fuchs groß ins Bild gerückt und schreibt:

Der Mann, der da fast schon mönchisch im Steinmeer steht, ist Martin Kippenberger. Albrecht Fuchs (Jg. 1964) hat ihn fotografiert. Fuchs, längst einer der Großen seiner Zunft, tut das distanziert. Immer. Selbst wenn der Außenminister in der Turnhose vor ihm steht. Klassische Porträts zeichnet er auf. Von Künstlern, Literaten, Freunden. Er tritt ihnen nicht zu nahe, sie stehen gern weiter weg. Und doch holt er sie ganz nah heran, ihre Gesten, ihre Umgebung, ihr Selbst. Das Fotobuch von Albrecht Fuchs, aus dem wir die Bilder für unsere Beilage entnahmen, erscheint bei Snoeck in Köln.

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Den »Fokus auf Albrecht Fuchs« und seine Fotografie legt die »Frankfurter Rundschau« mit einigen Bildbeispielen auf ihrer letzten Seite des Magazins in der Ausgabe (Nr. 65, S. 8) vom 17. März 2007. Im Begleittext schreibt Sandra Danicke:

Ganz nah 

Es hat Albrecht Fuchs nie gefallen, wie Künstler fotografiert werden: Maler und Bildhauer meistens vor ihren Werken, Schriftsteller stets in nachdenklichen Posen vor dem Bücherregal. Lanweilig fand er das schon während seines Studiums. Fuchs wollte es anders machen, wollte mehr von den Menschen vermitteln als eine Pose.
Er entschied sich für die Mittelformatkamera, den Farbnegativfilm und dafür, ausschließlich mit vorhandenem Licht zu arbeiten. Alles andere ist Intuition. Jedes Fotoshooting sei anders, sagt der Fotograf, der 1964 in Bielefeld geboren wurde und heute an der Kunstakademie Düsseldorf lehrt. Sarah Lucas zum Beispiel, eine Engländerin, die als Künstlerin auch vor sexuellen Provokationen nicht zurückschreckt, sei als Mensch furchtbar schüchtern gewesen. Also sei Fuchs mit ihr, Freunden und der Familie in einen Pub zum Mittagessen gefahren, habe getrunken, geplaudert, man habe einander kennen gelernt. Am frühen Abend erst ist das Bild entstanden, auf dem Lucas vor ihrem Landhaus in Suffolk steht und immer noch etwas scheu in die Kamera blickt. »Ich muss eine Normalität herstellen, um zu erreichen, dass die Porträtierten ihre Befangenheit ablegen«, erklärt Fuchs. »Am Anfang benimmt sich fast jeder verkrampft.« Eine Ausnahme war der Berliner Maler Daniel Richter, der mit Sonnenbrille und schickem Hemd gleich sebstbewusst aus seiner Bettdecke posierte. »Dem macht es einfach Spass, sich vor der Kamera zu produzieren.« Ganz anders: Ennio Morricone. Der legendäre italienische Filmmusik-Komponist hatte den Fotografen zwar in seiner Wohnung in Rom empfangen, dann aber schnell die Lust verloren. Auf Gespräche wollte er sich gar nicht einlassen. Nach einer Viertelstunde seien ihm die Augen zugefallen. Das Bild zeigt einen älteren Herrn zwischen Gemälden, schweren Möbeln und dicken Teppichen. Ein etwas spießig erscheinender Beamtentyp, der seinen Wohlstand und sein abgeschiedenes Leben genießt. Wesentlich näher ist Albrecht Fuchs dem Künstler Martin Kippenberger gekommen, dem mittlerweile mythisch verehrten Maler und Bildhauer, der 1997 im Alter von 44 Jahren starb. Eine Reihe von Porträts entstand anlässlich seines Metro Net-Projekts in Dawson City, andere in seinem Atelier in St. Georgen. »Kippenberger wusste sehr genau, wie er sich inszenieren muss«, erzählt Fuchs, »er hatte ständig konstruktive Ideen.« Zum Beispiel jene, das Klischee vom Künstlerporträt einmal ironisch zu brechen und sich mit zugeknöpftem Jackett, also so, wie er niemals arbeiten würde, hinter seinen Malertöpfen aufzustellen.
Meist sind es Künstler, gelegentlich auch Musiker oder Schriftsteller, deren Werk Albrecht Fuchs so begeistert, dass er den Menschen dahinter fotografieren und damit ein wenig näher kennen lernen möchte. Wenngleich diverse Porträts auch durch Aufträge etwa für das Magazin der Frankfurter Rundschau, für Art, Monopol oder Brandeins zustande kommen. Auf diese Weise fotografiert Albrecht Fuchs dann auch schon mal einen Manager oder Politiker. Nur mit Schauspielern hat der Fotograf so seine Probleme. »Die haben sich und ihre Wirkung zu stark unter Kontrolle.«



In its supplement »Literary World«, the German newspaper Die Welt (from 17.3.07) places ten photographs by Albrecht Fuchs centre stage, commenting:

The man standing almost monk-like in the scree is none other than Martin Kippenberger as photographed by Albrecht Fuchs (born 1964). Fuchs, long since one of the greatest of his type, does so in a somewhat distanced manner. Even if it is the German Foreign Secretary standing there in front of him in his running kit. He takes classic portraits of artists, writers and friends. He doesn’t come too close; they like to maintain a distance.  And yet he does manage to get up close to them, their gestures, their environment, the essence of their individuality. The images for our supplement were taken from the book of photographs by Albrecht Fuchs, which is published by Snoeck in Cologne.

The Frankfurter Rundschau places the »focus on Albrecht Fuchs« and his photography with a few examples of his work on the back page of its magazine (No. 65, p. 8, 17.3.07). Sandra Danicke comments in the accompanying text:

Up Close

Albrecht Fuchs has never much cared for the way artists are usually photographed: painters and sculptors generally positioned in front of their works, writers invariably striking contemplative poses in front of bookcases. Even as a student he considered it boring. Fuchs wanted to do things differently; he wanted to communicate something that was more about the people than the pose itself. He decided to use a medium format camera, colour negative film and available light, exclusively. The rest is intuition. The photographer, born in 1964 in Bielefeld and now on the teaching staff at the Düsseldorf Academy, believes that every shoot is different. The English artist Sarah Lucas, for example—notorious for the sexually provocative content in her work—was by contrast incredibly shy as a person. Fuchs went out with her and her friends and family for a pub lunch; they drank and chatted together and got to know one another. The photograph was taken in the early evening and depicts Lucas standing in front of her cottage in Suffolk, looking into the camera, still with a vestige of shyness. Fuchs needs »to create a sense of normality in order that the person being photographed can lose his or her self-consciousness«. » Everybody is a little tense to start with«, rejoins Fuchs. One exception to the rule was the Berlin painter Daniel Richter, who, wearing sunglasses and a chic shirt, struck an immediate pose right there on his duvet. »He just enjoys showing off in front of the camera«. Unlike Ennio Morricone. The legendary film score composer received the photographer in his apartment in Rome and then quickly went off the whole idea. He wasn’t interested in entering into conversation at all. Supposedly his eyes were shut after only a quarter of an hour. The photograph shows an elderly man between two paintings, weighty furniture and heavy carpets. He looks somewhat like a bourgeois public administrator type, who is enjoying his affluence in the twilight of his years. Albrecht Fuchs got substantially closer to Martin Kippenberger, the now mythologized and venerated painter and sculptor, who died in 1997 at the age of 44. A series of portraits were originated in conjunction with his Metro Net-Project in Dawson City, others in his studio in St. Georgen. »Kippenberger knew exactly how to stage himself«, Fuchs explains, »he always had constructive ideas«. For example, the idea of ironically subverting the received cliché of the artist’s portrait by standing behind his paint pots with his jacket buttoned up, something he would simply never do.
It is the work of artists in the main, but also occasionally musicians or writers, whose work sufficiently inspires Albrecht Fuchs to photograph the person behind it. Even if diverse portraits are the result on commissions for the Frankfurter Rundschau’s supplement, for the magazines such as Art, Monopol or Brandeins. In this way Albrecht Fuchs also occasionally finds himself photographing a captain of industry or a politician. Actors on the other hand present Fuchs with the most problems: »they have themselves and what they project of themselves too well under control.«


In ihrem Feuilleton hat die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« vom 25. März dem Buch eine Seite gewidmet. Johanna Adorján schrieb:

Neue Höflichkeit

Die Farbporträts von Albrecht Fuchs

Der deutsche Fotograf Albrecht Fuchs, 1964 in Bielefeldfuchs_faz_SZ.jpg geboren, hat eine zurückhaltende Art, Menschen zu porträtieren. Er scheint sich ihnen - meistens sind es Künstler, aber er hat auch Joschka Fischer oder Isabella Rossellini fotografiert - auf Zehenspitzen zu nähern, scheint ohne großes Aufheben an sie herangetreten zu sein, um seine Kamera dann aus einem respektvollen Abstand auf sie zu richten. Fast schon asiatisch höflich wirkt das, gleichzeitig klar und genau. Fuchs benutzt keinen Blitz, nur das Licht, das er vorfindet, er inszeniert nicht, und wenn doch, dann auf die unauffälligste Weise. Auf seinen Bildern sitzen die Menschen meist, manchmal liegen sie auch - wie Martin Kippenberger, der auf seiner Aufnahme aus dem Jahr 1995 aussieht, als habe er einen schrecklichen Kater und werde gleich aufstehen, um sich eine Aspirin plus C zu holen. Niemand scheint es eilig zu haben, dem Fokus des Fotografen zu entkommen, und doch wirkt niemand richtig entspannt, niemand lacht je oder lächelt - auf den Porträts von Albrecht Fuchs scheinen die Menschen immer ein wenig starr, als hielten sie die Luft an und zählten innerlich bis drei -, und man kann sich vorstellen, wie sie anschließend einatmen, aufstehen und aus dem Bild laufen, als wäre der Ausschnitt, den die Kamera aus der Welt schnitt, nur ein vorläufiger Rahmen gewesen.

Im Kölner Snoeck-Verlag erscheint jetzt ein schöner Bildband mit seinen Porträts, und es ist erstaunlich, wie sich die Handschrift dieses mit so sparsamen Mitteln arbeitenden Fotografen durch die Bilder zieht. Ob nun der Designer Dieter Rams in seinem Haus bei Frankfurt steht, ob Ennio Morricone auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1994 auf dem Sofa seines barock überladenen Wohnzimmers sitzt oder Mike Kelley zwischen Kakteen und Amaryllis in Los Angeles steht - es geht von allen Bildern eine angespannte Ruhe aus, eine merkwürdige Dichte und Konzentration, als dächten die Menschen, die zu sehen sind, gerade an das Geheimnis, das sie ausmacht - und es zeugt von der Eleganz dieses Fotografen, dass er es ihnen nicht zu entreißen versucht.