

Jedes Bild erzählt eine Geschichte. Manchmal gibt er nur
kleine Hinweise, dann scheinen Lautmalereien ungeduldig, drängend Eingang in
die Bilder zu suchen. Oft wie ein stummer Wutausbruch, der unsere
Schwerhörigkeit gegenüber dem Elend der Menschen durchbrechen will. Die
Botschaft wird klar formuliert und bleibt dann doch im Raum als Frage hängen.
Sie ist wie eine Erinnerung an ein Leid oder einen Glückszustand, der in der
Arbeit des Fotografen Thierry Colin ihren Ausdruck findet. Man sieht, dass er
von der Situation überwältigt wird, er zögert, er fragt sich, ob er dieses Foto
wirklich schießen soll. Aber sein Anliegen ist die Darstellung des harten
Alltags der ländlichen Bevölkerung und das Schicksal der Frauen dieser Welt.
Für ihn zählen allein die Bilder, die ohne viel Worte seine Botschaft
ausdrücken. Er ist ein Perfektionist der visuellen Darstellung, der sich den
strikten, klassischen Anforderungen des Metiers stellt.
Doch warum hat Thierry Colin gerade diese Fotos für
seinen Bildband ausgewählt? »Ich kaufe einfach ein Flugticket für ein Land, das
ich mehr oder weniger gut kenne, und dann will ich dort ohne irgendein
konkretes Ziel reisen, mich einfach verlieren.« Und das trifft genau die
Prämissen seines Buchprojekts. Er ist auf der Suche nach dem Anderen, dem, was
jenseits der Bilder liegt, das man nicht einfach einrahmen kann – der Bildrand
geht verloren, das Bild ist mehr als nur die Darstellung als solche. Ungeplante
und unvorhersehbare Situationen bereichern unseren Blick auf die Welt. Wir
sehen dann das Leben ohne Filter.
Nicolas Martin
Every picture tells a story. At times, Thierry Colin gives
us only hints and suggestions, and these suddenly break through into
his photographs as if reflecting a sense of onomatopoeia from which
emanate impatience and urgency. Often it is a silent expression of an
anger that wants to penetrate our deafness to the cries of misery of
those whom he has met. The message is clear, bursting forth, suddenly
to stop in its tracks, as if suspended in mid air. It is like a memory
of a time of suffering or happiness, which is then expressed in the
work of the photographer Thierry Colin. We see that he is overwhelmed
by the situation, so much so that he hesitates and questions whether he
really ought to capture it on film.
Why did he choose these photographs for his book? “I buy an
airline ticket to a country that I more or less know, and then I go
travelling without any specific destination and loose myself in
it.” This remark reflects the existential basis of his project in
the book. The experience of what lies beyond the pictures, of that
which cannot be enclosed within defined parameters. The border of the
picture is lost; the photograph is more than just that what it depicts.
Technically, the idea of the missing border is simply one where a
photograph overlaps the size of the paper. No border, no frame, hence
no boundaries to see.
Nicolas Martin