
| Nichts ist in der Fotografie so schwierig wie die Überhöhung des Alltags im banalen Detail heißt
es in der Kritik der »Süddeutschen Zeitung« (21.5.10). Und die
»Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« (23.5.10) fragt deshalb
vielleicht nicht ganz zu Unrecht: »Ist Michael Schmidt der Mann der
Stunde?« Sie folgt damit zugleich unbewusst der Erkenntnis, die schon
die »Welt am Sonntag« (ebenfalls 23.5.10) auf Michael Schmidt bezogen
formuliert: »Wer sich auf das Leben einlässt, wird verletzt«. Als Verleger kommen einem die Tränen, als Kaufmann muss man die Schmidt-Titel jetzt bereithalten. Aber der Reihe nach. Tränen, weil man es keinem Künstler so sehr gewünscht hat, dass die veröffentlichte Meinung sich seiner tiefen, mitunter schockierenden Bilder annimmt, Tränen auch, weil diese Bilder von einem Fotografen stammen, der so voller Empathie ist und dabei doch eine Form der Fotografie entwickelt hat, wie es sie, in Deutschland zumindest, nicht noch einmal gibt: radikal subjektiv, radikal distanziert, auf die Qualitäten des Mediums, die Qualität der Aufnahme reduziert, allein dem eigenen Blick vertrauend, ohne die heute schon übliche technische Manipulation. Hier vertritt kein Ex-Linker eine Weltverklärungsmystik, hier kommt es zu einem Blick auf die Realität, den man gemeinhin gerne schon einmal als Rückversicherung betrachten kann. Der Kaufmann rät natürlich: zugreifen solange der Vorrat reicht! Mit freundlichen Grüßen … |
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Ihr![]() Andreas Balze 28.5.2010 |