Matthias Weischer: Thicket

Kat. Grimm Gallery

Ausstellungskatalog, hrsg. von Grimm Amsterdam
Text (eng.) von Walter Grasskamp
96 S. mit 55 farbigen Abbildungen
Format 27 x 21 cm, Softcover

ISBN 978-3-86442-067-2

24,80 €

Die Pulp Fiction in der Malerei

Thicket, das steht für Gestrüpp oder Dickicht, und Walter Grasskamp kommt in seinem brillianten Essay »Pulp Fiction« auf eine spannende Analogie. Matthias Weischer, der für seine pastosen, mit gegenständlichen wie abstrakten Versatzstücken gearbeiteten Ölgemälde bekannt geworden ist, benutzt in seinen neuen Pulp paintings hadernhaltigen Papierbrei und mischt diesen unter die Farbe. Aus dem amerikanischen Zeitschriftenwesen der 1930er bis 1950er Jahre ist die sogenannte Pulp Fiction bekannt geworden, das sind zumeist auf billigem Zeitungspapier – daher Pulp – gedruckte Kurz- oder Fortsetzungsgeschichten, wie sie etwa Ross Mcdonald, Dashiel Hammett oder Raymond Chandler populär gemacht haben, eben bevor diese als anerkannte Literaten in richtigen Büchern publizieren konnten. Natürlich hat diese Form der Literatur keinen Einfluss auf die Kunst gehabt, aber collageartiger Einsatz von Papier bei Picasso und Braque im Kubismus hat auf die Entwicklung der Kunst im 20. Jahrhundert nachhaltig gewirkt. Und so ergibt sich für Grasskamp eine interessante Umkehrung. Während im Westen der Materialbegriff unter dem Einfluss von Duchamp und Beuys unerheblich wurde, hat sich dagegen an den Kunstakademien im Osten eine genuine Materiallehre erhalten. Matthias Weischer, 1973 im westfälischen Elte geboren, hatte 1995 sein Studium an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst aufgenommen. »Jetzt für den westlichen Standart einer individuellen, experimentellen und freien Kunstausübung offen, hat ihm die traditionelle Akadamie in Leipzig auf hohem Niveau die Möglichkeit eröffnet, sich durch alle Mal- und Drucktechniken hindurch zu orientieren, um eine persönliche zu entwickeln und die ihm genehmen Themen zu finden.« So ist Matthias Weischer mit seinen Arbeiten eine unglaubliche qualitative Nähe zum Werk etwa eines Chuck Close oder David Hockney gelungen.

Ausstellung:
Grimm Gallery, Amsterdam, 23/4–11/5/2013