Geta Brătescu

Kat. Hamburger Kunsthalle

Ausstellungskatalog, hrsg. von Hubertus Gaßner, Brigitte Kölle
Texte (dt./eng.) von Hubertus Gaßner und Brigitte Kölle, Michael Köhlmeier, Magda Radu und ein Gespräch von Brigitte Kölle mit Geta Brătescu sowie Künstlerbeiträge von Cristina David, Ion Grigorescu, Ciprian Muresan, Lia Perjovschi, Mircea Cantor, Dan Perjovschi
192 S. mit 110 farbigen und 15 s/w Abbildungen
Format 23,2 x 16,9 cm, Hardcover

ISBN 978-3-86442-172-3

78,00 €

Kunst ist ein ernstes Spiel

Geta Brătescu gilt als die Grande Dame der konzeptuellen Kunst Rumäniens. Einem breiten Publikum ist sie durch die 55. Biennale 2013 in Venedig bekannt geworden; das Kunstmagazin BLAU hat sie ausführlich in ihrer Dezember/Januar-Ausgabe 2015/16 gewürdigt. Der umfassende Katalog erscheint nun anlässlich der von der Hamburger Kunsthalle zu ihrem 90. Geburtstag ausgerichteten Werkschau, die wichtige Schlüsselwerke und Werkserien aus über sechs Jahrzehnten versammelt. Es ist die erste retrospektiv angelegte Museumsausstellung der Künstlerin außerhalb ihres Heimatlandes. Erinnerung und Geschichte, historische Ablagerungs- und organische Wachstumsprozesse, Konformität und Abweichung, Selbstbefragung und -behauptung sind Themen, die Geta Brătescu im Laufe ihres langen künstlerischen Werdegangs immer wieder neu bearbeitet und hinterfragt hat. Das Werk der in Bukarest lebenden Künstlerin ist außerordentlich vielfältig und lässt sich nicht allein einer Stilrichtung zuordnen. Geta Brătescu arbeitet sowohl abstrakt als auch gegenständlich, kleinteilig wie raumgreifend, und sie bedient sich unterschiedlicher Medien wie Zeichnung, Fotografie, Film, Stoffarbeit und Skulptur. Sie selbst versteht sich vor allem als Zeichnerin im Dienst der Linie und beschreibt ihre farbenfrohen Papiercollagen als ein »Zeichnen mit der Schere«, ihre Stoffarbeiten als ein »Zeichnen mit der Nähmaschine«. Zugleich richtet sich das Interesse der Künstlerin in neuen abstrakten Werkserien, den »Cut Outs« (Scherenschnitte), auf die Relation zwischen Linie und Fläche, wobei sie diese Beziehung in scheinbar unendlichen Reihungen und Modulationen durchdekliniert. Fasziniert von Literatur und Philosophie, widmet sie sich kenntnisreich den großen Figuren der Weltliteratur wie Medea, Dido oder Faust. Über viele Jahrzehnte war Geta Brătescu zudem für die grafische Gestaltung des Magazins Secolul 20 (heute Secolul 21) verantwortlich, des wichtigsten kulturellen und intellektuellen Publikationsorgans Rumäniens, dem sie bis heute die Treue hält.

Ausstellung:
Galerie der Gegenwart, Hamburger Kunsthalle, 30/4–7/8/2016